• 13.02 - 15.02

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    Hızır-Fasten (Hızır orucu)

  • Geburtstag des Heiligen (Hz.) Ali

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    21.03

  • 05./06.05

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    Tag des Hızır Ilyas (Hıdırellez)

  • Gedenken an das Sivas-Massaker (2. Juli 1993)

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    02.07.

  • 16.08. - 18.08.

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    Feier zur Andacht von Hacı Bektaş Veli

  • Todestag des Heiligen Hüseyin

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    10.10

  • Jedes Jahr elf Tage früher

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    Opferfest

  • Muharrem-Fasten

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    Jedes Jahr ca. elf Tage früher

  • am 13. Tag des Muharrem-Monats

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    Aşure

13. bis 15. Februar: Hızır-Fasten (Hızır orucu)

Die zweite Februarwoche gilt Alevitinnen und Aleviten als „Hızır-Woche“. Hızır (Chidir, Chadhir, Khizer) ist ein heiliger Helfer, der auf den Ruf „Eile herbei Hızır!“ Menschen in Not beisteht. Gemeinsam mit seinem Bruder Ilyas, der auf dem Meer wirkt, soll er vom „Wasser der Unsterblichkeit“ getrunken haben und Glück sowie Schutz bringen – besonders Reisenden.

Überliefert ist, dass Hızır erstmals Gefährten Noahs rettete; aus Dank fasteten sie drei Tage. In Anatolien beschreibt man ihn als weißbärtigen Reiter auf weißem Pferd, ähnlich der Figur des St. Georg.

Während der Hızır-Woche bereitet man die Speise „kavut“ zu, wünscht sich etwas und verteilt sie am nächsten Tag in der Nachbarschaft. Ein nächtlicher Besuch Hızırs soll die Wünsche erfüllen.

Hızır spielt im Alltag eine große Rolle: Man legt Gelübde in seinem Namen ab, verwendet Redewendungen wie „Hızır sei Dank“ und benennt sogar Orte nach ihm. Es gibt zudem das Ritual „Hızır semahı“.

Auch in Deutschland reinigen Gemeinden ihre Räume, fasten drei Tage und feiern mindestens einen Hızır-Gottesdienst (Hızır Cemi). Am Ende werden Speisen gemeinsam verzehrt, auf Friedhöfen Kerzen entzündet und Kindern Geschichten über Hızır erzählt.

21. März: Geburtstag des Heiligen (Hz.) Ali

Ali ist für Alevitinnen und Aleviten zentraler Heiliger. Ihr Glaubensbekenntnis lautet: „Es gibt keinen Gott außer Gott, Mohammed ist sein Gesandter und Ali ist Gottes Freund.“ Nach alevitischer Überlieferung wurde Ali am 21. März 598 in Mekka geboren; deshalb gilt dieser Tag als sein Festtag.

Ali war sowohl Cousin als auch Schwiegersohn des Propheten Mohammed, mit Fatima hatte er die Söhne Hasan und Hüseyin. Bereits als Kind soll er Mohammed gefolgt sein. Er wurde von ihm erzogen, unterstützte seine Mission und gilt als Verteidiger von Gerechtigkeit und Wissen. Seine Lehren sind im Nehc-ül Belaga und im Divan-i Ali gesammelt; daher trägt er den Beinamen „Tor des heiligen Wissens“.

Alevitische Gemeinden begehen den 21. März mit Zusammenkünften (Muhabbet), bei denen Leben, Lehre und heutige Bedeutung Alis im Mittelpunkt stehen.

5./6. Mai: Tag des Hızır Ilyas (Hıdırellez)

Einer Legende nach begegnen sich Hızır, der Schutzengel des Landes, und Ilyas, der des Meeres, in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai. In diesem Moment sollen Himmel und Erde zusammenfallen und schöpferische Kraft sichtbar werden. Beide gelten als Trinker des „Wassers der Ewigkeit“ (Abu Hayat). Deshalb erbitten viele Menschen an diesem Tag Gesundheit und Heilung. Am 6. Mai backt und verteilt man traditionell verschiedene Teigspeisen.

2. Juli: Gedenken an das Sivas-Massaker (2. Juli 1993)

Am 2. Juli 1993 fand in Sivas ein Kulturfestival zu Ehren des im 16. Jahrhundert hingerichteten alevitischen Dichters Pir Sultan Abdal statt. Zahlreiche Kulturschaffende und Intellektuelle nahmen teil, ohne die bevorstehende Gefahr zu ahnen.

Islamistische und ultranationalistische Gruppen griffen die Veranstaltungsorte an. Das Hotel Madımak wurde unter Duldung der Sicherheitskräfte gestürmt und angezündet; 35 Menschen starben. Teile staatlicher Vertreter bezeichneten die Tat später sogar als gerechtfertigt.

Alevitinnen und Aleviten sehen darin nicht nur ein Verbrechen gegen ihre Glaubensgemeinschaft, sondern gegen Demokratie und Menschlichkeit. Deshalb gilt eine demokratische Aufarbeitung als notwendig, um Fundamentalismus vorzubeugen.

Jedes Jahr wird der Opfer in Form von Gedenkveranstaltungen und religiösen Zeremonien gedacht.

16. bis 18. August: Feier zur Andacht von Hacı Bektaş Veli

Vom 16.–18. August wird in Hacıbektaş (rund 100 km südlich von Ankara) Hacı Bektaş Veli mit einem Kultur- und Gedenkprogramm geehrt. Dazu gehören Vorträge, Konzerte sowie religiöse Zeremonien wie Cem-Gottesdienste und Semah-Rituale.

Hacı Bektaş Veli gilt als Begründer des anatolischen Alevitentums; der Begriff „Bektaşi“ leitet sich von seinem Namen ab. Überliefert ist, dass er 1209 in Nischapur (Khorasan) geboren wurde, aus der Linie Mohammed-Alis stammt und in Turkistan durch Hoca Ahmet Yesevi Zugang zur islamischen Mystik fand. Auf Anweisung Lokman Perendes verbreitete er diese Lehre in Anatolien. Seine Betonung von Toleranz, Solidarität und Nächstenliebe sprach besonders unterdrückte Bevölkerungsgruppen an.

10. Oktober: Todestag des Heiligen Hüseyin

Am 10. Oktober erinnern Alevitinnen und Aleviten an den Tod des Heiligen Hüseyin im Jahr 680.

Opferfest

Das viertägige Opferfest wandert im Kalender und rückt jedes Jahr um etwa elf Tage nach vorn; 2023 fiel es auf den 28. Juni bis 2. Juli. Ein Teil der alevitischen Gemeinschaft begeht es als Dank für Gottes Gnade. Es erinnert an Abraham (Ibrahim) und seine Bereitschaft, seinen Sohn Ismail zu opfern. Zentral ist der Gedanke, Bedürftigen zu helfen und ihnen Geschenke zu überreichen.

In wohlhabenderen Familien der Türkei wird oft ein Schaf nach religiösem Ritus geschlachtet und das Festmahl mit Verwandten, Freunden und Nachbarn geteilt.

Viele Alevitinnen und Aleviten feiern jedoch zurückhaltender: Statt eines Tieropfers zeigen sie ihre Opferbereitschaft durch Spenden und soziale Hilfe.

In Deutschland kommen Gemeinden in großen Sälen zusammen. Vor dem gemeinsamen Essen erfragt die/der Geistliche (Ana/Dede) das Einvernehmen aller, spricht ein Gülbenk (Gebet), dann wird gegessen.

Muharrem-Fasten

Das Muharrem-Fasten richtet sich nach dem arabischen Kalender, verschiebt sich jährlich um etwa elf Tage und beginnt mit dem Neujahr (1. Muharrem). 2023 startete es am 19. Juli. Die Fastenzeit setzt rund 20 Tage nach dem Opferfest ein.

Zwölf Trauertage erinnern an Imam Hüseyin, der 680 in Kerbela getötet wurde. Um seinen Leidensweg nachzuempfinden, fasten Alevitinnen und Aleviten und üben Enthaltsamkeit. Auch weitere Angehörige der Prophetenfamilie (Ehl-i Beyt) wurden später ermordet; daher umfasst die Trauer zwölf Tage. Hüseyins Widerstand gegen Ungerechtigkeit ist ein zentrales ethisches Vorbild.

Der 13. Tag dient dem Dank an Gott dafür, dass Imam Zeynel Abidin überlebte und so die Linie Alis weiterbestand. Anders als im iranischen Schiitentum werden weder Selbstverletzungen noch szenische Darstellungen des Martyriums praktiziert.

Während des Muharrem-Fastens werden Einfachheit und Selbstdisziplin betont: Es wird tagsüber nichts gegessen oder getrunken; die Mahlzeiten bleiben schlicht. Verboten sind Fleischkonsum, Blutvergießen, das Zufügen von Leid und das Verletzen der Natur. Streit, Vergnügen und Feiern wie Hochzeiten werden vermieden. Im Mittelpunkt stehen Solidarität, Achtsamkeit und ein respektvolles Miteinander.

Gemeindezentren bieten gemeinsames Fastenbrechen und Austausch mit Geistlichen an, um Verbundenheit zu stärken.

Aşure

Nach dem 12-tägigen Muharrem-Fasten gedenken Alevitinnen und Aleviten mit der Zubereitung und Verteilung der Süßspeise Aşure. Diese Tradition dient als Ausdruck der Dankbarkeit.

Aşure symbolisiert auch die Rettung von Zeynel Abidin, dem Sohn von Imam Hüseyin, der das Massaker von Kerbela überlebte, da er krankheitsbedingt die Reise nicht antreten konnte.

Die Speise besteht traditionell aus zwölf Zutaten (z.B. Weizen, Hülsenfrüchte, Nüsse und Trockenobst), welche die Zwölf Imame symbolisieren.

Alevitische Gemeinden nutzen den Aşure-Tag, um die Öffentlichkeit zu informieren und den interreligiösen Dialog zu fördern, indem sie das Fest auch an öffentlichen Orten (z.B. vor dem Kölner Dom) begehen.